Gleichzeitigkeitsfaktor
Definition
Der Gleichzeitigkeitsfaktor gibt an, welcher Anteil der installierten Leistung tatsächlich gleichzeitig abgerufen wird. Ein Faktor von 0,5 bedeutet: Von 20 kW angeschlossener Leistung sind im ungünstigsten realistischen Fall 10 kW gleichzeitig in Betrieb. Er liegt immer zwischen 0 und 1.
Warum er gebraucht wird
Würde man Hausanschluss, Zuleitung und Verteilung für die Summe aller Verbraucher auslegen, wären sie um ein Vielfaches zu groß und zu teuer. In einem Mehrfamilienhaus kochen nie alle Haushalte im selben Moment mit allen Platten, während Waschmaschine, Trockner und Durchlauferhitzer laufen. Die Norm für Wohngebäude nennt deshalb Leistungswerte je Wohnung, die mit steigender Wohnungszahl pro Wohnung sinken.
Beispiele
- Herd: Ein Kochfeld mit vier Zonen und ein Backofen haben zusammen über 10 kW Anschlussleistung. Abgesichert wird der Herdanschluss trotzdem mit 3 x 16 A, weil die Zonen takten und selten alle gleichzeitig mit voller Leistung heizen.
- Wohnungen: Zehn Wohnungen mit je 14 kW rechnerischer Leistung brauchen keinen Hausanschluss für 140 kW.
- Wallboxen: Hier funktioniert der Gleichzeitigkeitsfaktor nicht von allein, denn zehn Fahrzeuge laden abends tatsächlich gleichzeitig mit voller Leistung. Ein Lastmanagement begrenzt die Summe auf das, was der Hausanschluss hergibt, und verteilt sie auf die Fahrzeuge. Der Netzbetreiber verlangt das ab einer bestimmten Gesamtleistung.
Bedeutung für die Planung
Ob eine bestehende Verteilung eine Wallbox, eine Wärmepumpe oder einen Durchlauferhitzer zusätzlich verträgt, entscheidet sich mit dem Gleichzeitigkeitsfaktor und der Reserve am Hausanschluss. Mehr dazu auf unseren Seiten zur Wallbox und zur Elektroinstallation.